Honigpanscher in St. Wendeler Land am Werk! Staatsanwalt ermittelte erfolgreich.

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St. Wendel (Auszug Saarbrücker Zeitung)
Prozess vorm Amtsgericht: Imker soll spanisches Produkt beigemengt haben

02. Februar 2016, 02:00 Uhr

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Etikettenschwindel bei Honig aus dem St. Wendeler Land? Laut Saarbrücker Staatsanwalt hat ein hiesiger Imker zumindest Honig aus dem Ausland beigemischt und so Kunden im Saarland betrogen. Symbolbild: OBS/Deutscher Imkerbund
Wegen Betrugs muss sich ab Dienstag ein Mann aus dem Landkreis St. Wendel verantworten. Die Anklage: In Geschäften der Region bot er Blütengold aus Südeuropa als Echten Deutschen Honig an. Einem Kollegen kam das spanisch vor, ließ die Ware kontrollieren.

Wohlklingende Namen wie „Echter Deutscher Honig Sommertracht“ und „Deutscher Waldhonig“ sollen dem Kunden Heimatverbundenheit vermitteln, die Blütenwiese auf dem heimischen Frühstückstisch suggerieren. Imkerverbände wissen um den damit verbundenen Verkaufserfolg, setzen darum auf Regionalität. Das Geschäft mit Produkten von hier boomt. Viele sehen darin zudem einen Beitrag zum Umweltschutz, weil lange, energieintensive Transportwege vermieden werden.

Allerdings ist nicht überall Regionales drin, wo mit Regionalität geworben wird. Immer wieder kommt es zur Scharlatanerie, werden gutgläubige Verbraucher übers Ohr gehauen. Einschlägige Gerichtsurteile dazu gibt es bundesweit. Unter anderem eines aus Norddeutschland. Da wurde ein Imker (74) wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetz zu 800 Euro Geldstrafe verurteilt.

Ein ähnlicher Prozess wegen Etikettenschwindels beginnt an diesem Dienstag vor dem St.   Wendeler Amtsgericht. Hier muss sich ebenfalls ein Imker verantworten, der laut Staatsanwalt Konsumenten betrogen haben soll. Demnach mischte er dem hiesigen Naturprodukt Honig aus Spanien bei, verkaufte ihn aber unter dem Label „Echter Deutscher Honig.“

Nach Information der Saarbrücker Zeitung flog die ganze Sache auf, als ein Bienenzüchterkollege bei seinem Einkauf im Hofladen des St. Wendeler Wendelinushofes die entsprechenden Gläser erspähte. Er wunderte sich, dass es im Frühjahr noch Chargen von „Sommertracht“ aus dem Vorjahr geben sollte. Dafür sei die Ausbeute damals zu gering gewesen. Kurzerhand kaufte er eines der entsprechenden Gläser und ließ den Inhalt in einem Labor untersuchen. Was dabei ans Tageslicht gekommen sein soll – der Informant gegenüber unserer Zeitung: „Der Inhalt stammte von Blüten, die hier nicht heimisch sind, sondern in Spanien wachsen.“

Ermittlungen der Saarbrücker Staatsanwaltschaft sollen dies bestätigt haben. So meldet ein Behördensprecher: Im Frühjahr 2013 brachte „der Angeschuldigte wissentlich und willentlich Honig mit Anteilen ausländischer Herkunft als echten deutschen Honig Sommertracht und als deutschen Waldhonig“ auf den Markt. Was sich der Mann, der sich nun vor dem Richter verantworten muss, davon laut Anklagevertretung versprach: Reibach machen. Denn der Kaufpreis für ausländischen Honig sei „geringer als der des deutschen“, damit seine Gewinnmarge höher.

Gläser des beanstandeten Produkts „Sommertracht“ tauchten demnach im Wendelinushof auf. Dorthin waren sie über die Lebenshilfe in Spiesen-Elversberg gelangt. Kontrollen im Juni 2013 brachten dies ans Tageslicht, meldet der Staatsanwalt. Weitere Gläser stellten Fahnder im Neunkircher Edeka-Markt Schneider sicher. Dann ein Ermittlungserfolg im August 2013: Gepanschter Waldhonig fiel der Untersuchungsbehörde im Harschberger Hof in die Hände.

Eins soll die Verbraucher zumindest beruhigen: Die gepanschte Ware sei gesundheitlich unbedenklich.

Trotzdem muss sich nun der beschuldigte Imker aus dem St. Wendeler Land wegen des Verstoßes gegen die Honigverordnung verantworten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft stehen auf Betrug Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe.

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