Vom Hobbyimker zum Nebenerwerbsimker – Teil 2

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In der Einstufung der Imkerei in Hobby-, Nebenerwerb- oder Vollerwerb gibt es verschieden Hausnummern, die rechtlich-/steuerrechtlich Veränderungen nach sich ziehen können. 25-30-70-100 sind die Hausnummern, die man sich merken sollte.

Sie gelten als „gewerblicher“ Imker in der Berufsgenossenschaft, wenn Sie mehr als 25 Bienenvölker bewirtschaften. Sie sollten genau prüfen, ob sie diese freiwillige Beitragspflicht wahrnehmen, denn bei der Honigernte hat man schnell mal sich verlupft (Bandscheibenvorfall) oder ist im glitschigen Gras ausgerutscht (Beinbruch), der Beitrag ist, gemessen an den Leistungen der BG erschwinglich.

Grundlage für die steuerliche Betrachtung im Einkommenssteuerrecht ist zunächst ihre eigene Bestandsmeldung bei Ihrem Imkerverein am Jahresende. Gehen Sie mit mehr als 30 Völker in den Winter (BM zum 31.12. des Jahres – in BW und zahlreiche anderen Bundesländer), sind Sie verpflichtet, ihre Einnahmen pauschal mit 1.000,00 € (bis zu 70 Völkerbestand) zu versteuern (§ 13 a EStG), darüber ist eine Gewinn- und Verlustrechnung, evt. auch eine Bilanzierung (Vermögensvergleich) vorzunehmen.Haben Sie noch andere Hobbies, die mit der Landwirtschaft zu tun haben, also Forellenzüchter mit eigenem oder angepachteten Fischteich, eigenen Schafen /Heidschnuken, Bison- oder Hühnerhalter oder „Obstbauer“ von mehreren Streuobstwiesen, müssen Sie aufpassen, teilweise wird alles zusammengezählt, teilweise sind die Nischen ebenfalls steuerfrei. Hier lassen Sie sich besser beraten, auch Gestaltungsmöglichkeiten sind zu beachten.

Ab 70 Völker sind Sie dann verpflichtet, eine Gewinn- und Verlustrechnung oder eine Bilanz mit einer Bindungswirkung von 3 Steuerjahren zu erklären. Hier unterstellt Ihnen der Fiskus, einen Gewinn von mehr als 1.000,00 €, sodass Sie zur Kasse gebeten werden sollen. Insoweit erklären Sie Ihre Betriebseinnahmen und -ausgaben über Elster-Online elektronisch.

Ab 100 Bienenvölker sind Sie dann auch noch verpflichtet zur Alterskasse der Landwirtschaft für Ihre Altersvorsorge Beiträge zu bezahlen, sofern nicht Befreiungstatbestände vorliegen, evt. auch für Ihre mitarbeitende Ehehälfte.

Diese Voraussetzungen gelten, wenn

  • man keine Waren hinzukauft bzw. nur maximal bis 1/3 des Umsatzes in €,
  • und nicht über 51.500 EUR die Betriebseinnahmen im Wirtschaftsjahr nachhaltig übersteigen
  • und insgesamt der Fremdumsatz nicht über 50% des Gesamtumsatzes liegt.
  • Als Zukaufsware gelten alle zur Weiterveräußerung zugekauften Erzeugnisse, Produkte oder Handelswaren, die nicht im Erzeugungsprozess des eigenen Betriebs verwendet werden, z.B. Honig, Kosmetikartikel, Met,…

  • Bei bis zu 30 Bienenvölker können Sie Umsatzsteuer pauschal von 10,7% verlangen; bis 70 Völker müssen Sie 10,7% verlangen, solange Sie kein Gewerbe angemeldet oder als ein Kleinunternehmer sich angemeldet haben. Allerdings können Sie dann Eingangsrechnungen für Anschaffungen weder abschreiben, noch die Vorsteuer gegenrechnen. Sie verschenken bei Investitionen 19-10,7= 8,3% an den Staat). Hier sollte man aber genau hingucken, sind intensive investive Ausgaben zu erwarten oder „hat man schon alles“.
  • Dies sollten Sie auch tun, wenn Sie mehr als 1/3 zukaufen (auch Handelsware), um ihre treuen Kunden, auch bei schlechter Honigernte oder langanhaltender Dürre (Sommer 2018) zu bedienen.

  • Verkaufen Sie auf Jahrmärkten, Weihnachts- oder Handwerkermessen ihre Imkereiprodukte ist die Anmeldung eines Reisegewerbes zu prüfen..

Was ist überhaupt ein Bienenvolk, sind Kunstschwärme, Ableger oder Mini-Plus-Völker auch schon Wirtschaftsvölker. Die Praxis fragt sich, muss man in der Bestandsmeldung nur die eingewinterten Wirtschaftsvölker melden, oder die Völker, die voraussichtlich im März in die Frühtracht gehen? Was meinen Sie, kommentieren Sie den Artikel mit Ihrer Meinung hierzu. Ich bin auf Ihre Beiträge gespannt.

Wann sollten Sie ein Gewerbe anmelden und in welcher Rechtsform unterwegs sein. Diese Themen beantworte ich Ihnen im nächsten Teil der Abhandlung.

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